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Henning Benecke

Organische Uhrsachen: Kunst-Uhren aus Dornach

Prix d'origine CHF 81.00 - Prix d'origine CHF 81.00
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Eine Fundgrube fĂŒr Kenner und Liebhaber außergewöhnlicher Uhren

von Henning Benecke

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Abholung möglich in der Buchhandlung (Dornach, Schweiz)

Mit seinen architektonischen EntwĂŒrfen hat Rudolf Steiner eine neue kĂŒnstlerische Formsprache geschaffen. Doch sein Ă€sthetisches Konzept des «spirituellen Funktionalismus» geht weit darĂŒber hinaus. Sein Ziel war es, ein durch Kunst beseeltes Lebensumfeld zu schaffen, das den seelisch-geistigen BedĂŒrfnissen des Menschen gerecht wird. Damit rĂŒcken vor allem Alltags- und GebrauchsgegenstĂ€nde ins Blickfeld «organischer» Gestaltung, und zu ihren interessantesten Objekten gehören Uhren und verwandte MessgerĂ€te aller Art.


Rezension

Es dĂŒrfte in der Gegenwart wohl kaum jemand wissen, dass – angeregt durch die BeschĂ€ftigung mit der Anthroposophie Rudolf Steiners – bereits im Jahre 1928 von dem Bildhauer und Techniker Paul Schatz, dem Ingenieur Wolo Wundt sowie (ab 1930) dem Bildhauer Oswald Dubach der Versuch unternommen wurde, der jahrhundertealten Uhrenindustrie durch die ambitionierte Produktion einer qualitativ völlig neuartigen Uhr einen Verwandlungsimpuls einzuprĂ€gen. Von »drei Persönlichkeiten aus Dornach« sprach Wundt verallgemeinernd in einem 1935 – kurz vor deren Verbot durch die Nationalsozialisten – in der Zeitschrift â€șAnthroposophieâ€č veröffentlichten Aufsatz ĂŒber die sogenannte Zweischleifenuhr, nachdem das Projekt einer Zusammenarbeit mit Paul Schatz bedauerlicherweise um 1932 gescheitert war und er die wenigen bis dahin produzierten (und von ihm vorfinanzierten) Exemplare der außergewöhnlichen Uhr zu verkaufen versuchte. Schatz und Wundt waren so geistesgegenwĂ€rtig sich anzuschicken, die Zeitbestimmung und -messung zu spiritualisieren, als 1927 durch die Deutsche Reichsbahn die 24-Stunden-Zeit eingefĂŒhrt und die bis dahin ĂŒblichen Ortszeiten der einzelnen StĂ€dte vereinheitlicht wurden. Mit der Zweischleifenuhr – deren Ziffernblatt eine Konchoide (Pascalsche Schnecke) zeigt und deren Zeiger dazu konsequenterweise »bewegt«, also nicht mit fester, sondern beweglicher Achse, gefĂŒhrt werden mussten – wurde versucht, den Menschen die Beziehung zu den Tag- und Nachtstunden in der Gestaltung und durch die Funktion der Uhr wieder neu zum Erleben zu bringen, man könnte auch sagen: dem Menschen seine Beziehung zum Kosmos in der dynamischen Beziehung des Zeigers zu den Stunden des Vor- und Nachmittags (in rot und blauem Email) bewusst vor Augen zu fĂŒhren.Diesen kulturgeschichtlichen Schatz nicht nur gehoben, sondern umfassend gewĂŒrdigt (und damit vor der Vergessenheit gerettet zu haben) zu haben, ist das Verdienst des Autors der â€șOrganischen Uhrsachenâ€č. Henning Benecke ist es in mehrjĂ€hrigen Recherchen gelungen, nicht nur die entscheidenden Etappen der Zweischleifenuhr zu rekonstruieren, sondern zugleich auch eine FĂŒlle weiterer Versuche organischer Gestaltungen von Uhren an den verschiedensten Orten aufzuspĂŒren, wobei die komplexe und ĂŒberaus spannende Thematik der Zweischleifenuhr in der Gesamtdarstellung zu Recht einen breiten Raum einnimmt. Die im Zusammenhang mit den Recherchen gemachten Funde, darunter etliche UhrengehĂ€use fĂŒr die Zweischleifenuhr – die bis dato nur aus Fotos bekannt waren – auf einem Dornacher Dachboden im Jahre 2013, sind sensationell, und es dĂŒrfte interessant sein zu beobachten, ob und wie die einschlĂ€gige Forschung die vorliegende Publikation zur Kenntnis nimmt (die besagten Funde sind heute teilweise im Schweizer Uhrenmuseum deponiert).

DarĂŒber hinaus lĂ€sst der Autor den Leser minutiös und in einer auch fĂŒr den Laien verstĂ€ndlichen Sprache an den technischen Finessen der herausfordernden Uhrenmechanik (Konchoide) teilhaben, nimmt kritisch Stellung zu bestimmten, nicht realisierten UhrenentwĂŒrfen von Paul Schatz (Vierblatt- und Lemniskatenuhr) und stellt auch den Prototyp einer selbst entwickelten neuen Uhr vor. Joachim Schultz’ Astrostat wird ebenso besprochen wie das wiederentdeckte (vermutlich jedoch bisher völlig unbekannte) Konstellarium Wolo Wundts. Hinzuweisen ist auf die kĂŒnstlerische Gestaltung der zwei von Jenö Salgo geschaffenen UhrengehĂ€use und nicht zuletzt auf das singulĂ€re, figĂŒrliche UhrengehĂ€use von Paul Schatz, das sich heute in Privatbesitz in den USA befindet und das der Autor dankenswerterweise endlich einmal unter den von Reinhold FĂ€th in dem Buch â€șDornach Designâ€č entwickelten geisteswissenschaftlichen Gestaltungskriterien analysiert. In einem weiteren Kapitel werden neuere Entwicklungen von Uhren vorgestellt, darunter auch eine »UmstĂŒlpungsuhr« von Dieter Junker und eine »Vollmonduhr« von Uwe Kraft. Die inhaltsreiche Einleitung stammt – was nicht sofort zu ersehen ist – von Manfred Christ. Das Buch atmet etwas von dem weiten Geist des Aufbruchs, der die Menschen um Rudolf Steiner und die erste Generation danach beflĂŒgelte, und dokumentiert damit einmal mehr, welche schöpferischen Impulse aus der Begegnung mit der Anthroposophie hervorgehen können. 

Quelle: Die Drei, Heft 3, 2017

Erscheinungsdatum: 04.2016
Auflage: 1.
Seiten: 240, Farbabbildungen
Einbandart: gebunden
Format: H 30 cm / B 24 cm / - 
ISBN: 978-3-85636-250-8

Lieferbarkeit: Lieferbar

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