Es sind viele Studien erschienen, die das Thema der Konstitution der Anthroposophischen Gesellschaft in weitestem Sinne behandelt haben. Die Autoren haben zum Teil akribisch alle Dokumente untersucht, um die Frage nach Form und Sinn der anthroposophischen Gesellschaft â als TrĂ€ger der Anthroposophischen Bewegung â beantworten zu können. Diese Schriften sind von unschĂ€tzbarem Wert, weil sie vieles aufdecken konnten, was die Mitglieder der Gesellschaft sonst niemals hĂ€tten erfahren können. Und doch blieb bei diesen Studien immer die Frage offen: Was bedeutet nun diese Sachlage fĂŒr mich, als SchĂŒler Rudolf Steiners, wo finde ich die FortfĂŒhrung seines Werkes als Bringer der Anthroposophischen Bewegung? Anders gesagt: Ist es noch möglich, Mitglied dieser Gesellschaft zu sein, und zu gleicher Zeit die Aufgaben zu erfĂŒllen, die Rudolf Steiner den Mitgliedern ans Herz gelegt hat?
Es ist der Verdienst von Harald Giersch â der sich schon frĂŒher durch seine Studie: âRudolf Steiner ĂŒber die Wiederkunft Christiâ* als grĂŒndlicher Rechercheur einen Namen erworben hat â daĂ er Rudolf Steiner in dieser jetzigen Studie selber zu Wort kommen lĂ€Ăt in den vielen VortrĂ€gen von 1923, dann in den Ansprachen und persönlichen GesprĂ€chen aus den Jahren 1924-25, wo er auf die Weihnachtstagung und deren weittragende Aspekte und Folgen des Gelingens oder MiĂlingens Bezug nimmt. Rudolf Steiners ganz groĂe Sorge im BewuĂtsein seiner Verantwortung, seine Einsicht in das Versagen der Mitglieder und seine schluĂendliche Resignation sind in seinen eigenen Worten und seinen letzten Handlungen klar zu lesen. Und Harald Giersch beschreibt, wie er fĂŒr sich die Konsequenzen daraus gezogen hat.
Willi SeiĂ, Herausgeber der Werke Tombergs, Autor von im âChakra-Werkâ zusammengefaĂten âOkkulten Unterrichtsbriefenâ und BegrĂŒnder der Freien Hochschule am Bodensee â FHaB â baut fort auf den Ergebnissen der Untersuchungen von H. Giersch, daĂ die Weihnachstagung als Stiftung und 3. Ruf der geistigen Welt zu betrachten ist. Er behandelt die von namhafter Stelle geleugnete Zusammenkunft am 23.12.1923 von Rudolf Steiner mit den zu benennenden Vorstandsmitgliedern. Mit dieser wird eine Esoterische Stunde fĂŒr diese dann zu wĂ€hlenden Vorstandsmitglieder abgehalten. In dieser Esoterischen Stunde werden die Bedingungen zum Gelingen oder MiĂlingen der Weihnachtstagung direkt und eindeutig genannt, wie auch die Folgen des MiĂlingens. Die zu ernennenden Vorstandsmitglieder werden ermahnt und gewarnt, untereinander aus der verbindenden, reinen Kraft des Buddhi zusammenzuhalten und zusammenzuwirken, da keiner alleine fĂŒr sich die Kraft hĂ€tte, die auf sie zukommenden Verpflichtungen zu erfĂŒllen. Hierzu bekamen die werdenden Vorstandsmitglieder eine Meditation, die die Zucht der eigenen Persönlichkeit und die Opferkraft fĂŒr ein Höheres Leben und Wirken als Inhalt hatte. DaĂ die Persönlichkeitsstrukturen der Vorstandsmitglieder nach Rudolf Steiners Tod völlig zerbrachen, ist aus dem Gang der Geschichte zu entnehmen, aber auch aus der Einsicht, die IndividualitĂ€ten nach ihrem Tode zuteil wurde. Diese Einblicke hĂ€lt der Autor fest und veröffentlicht sie in dem Kapitel âDas hermetische Urteil ĂŒber die Anthroposophische Tragödieâ.
* Erschienen im Verlag am Goetheanum, 1991, Herausgeber Thomas Stöckli
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