Der Tod in den Kulturen der Welt
Schwellenerlebnisse in der Biografie und im Alltagsleben
Helfendes GesprÀch, Psychotherapie und Seelsorge
Der Todesaugenblick: Nahtoderlebnisse und urbildliche Darstellungen
Aufbahrung, Aussegnung und Bestattung
Die Menschen-Weihehandlung und der Weg der Seele nach dem Tod durch die SternensphÀren
Gebet und FĂŒrbitte: Die Meditationen Rudolf Steiners fĂŒr die Verstorbenen
Begleitung Verstorbener nach Suizid
"Bist du bereit?" Vorbereitung auf das Sterben durch die Sakramente
Tod und Auferstehung Christi denken lernen
Der Tod im Leben des Kindes
Anhang: Meditationen, Gebete, helfende MĂ€rchen und Texte
Rezension
In unserer Zeit macht man sich zunehmend Gedanken ĂŒber das Sterben und den Tod. »Selbstbestimmtes Sterben« und »mutmaĂlicher Patientenwille« finden sich als Themen in den Feuilletons groĂer Tageszeitungen. Elisabeth KĂŒbler-Ross ist es zu verdanken, dass sie das Thema Tod enttabuisierte und unseren Blick auf Sterbende und ihre Angehörige lenkte. Dadurch konnten eine Reihe wertvoller Initiativen entstehen wie z.B. die weltweite Hospiz-Bewegung. Auch die immer hĂ€ufiger auftretenden Nahtoderfahrungen werfen weitere Fragen auf. Dabei kann man mit Dankbarkeit nach dem vorliegenden Band greifen.
Ursula Hausen schildert vom Gesichtspunkt der Anthroposophie und aus ihrer langjĂ€hrigen Erfahrung in der Sterbebegleitung und als Gemeindepfarrerin, welche Hilfen sich dem Sterbenden und seinen Angehörigen durch einen ruhigen und bewussten Umgang mit dem Tod eröffnen können. Der erste Teil des Buches behandelt die praktischen Fragen und die Sakramente der Christengemeinschaft, helfende GesprĂ€che, Biografiearbeit, Psychotherapie und Seelsorge, Aufbahrung, Aussegnung, Bestattung, Gebet und FĂŒrbitte, Rudolf Steiners Meditationen fĂŒr die Verstorbenen, aber auch wie Kinder Tod und Bestattung miterleben können.
Was nun diese Neuauflage auszeichnet, sind die eingehenden Betrachtungen der Nahtoderlebnisse des amerikanischen Psychiaters George Ritchie (1923-2007) und des amerikanischen Neurochirurgen Eben Alexander (geb. 1953), dessen 2012 in Deutschland erschienenes Werk Blick in die Ewigkeit lange auf der Spiegel-Bestsellerliste stand. Vor seinem entscheidenden Erlebnis lehnte er alle ihm von seinen Patienten geschilderten Erfahrungen als bloĂe Illusionen ab. Erst danach konnte er sich auch eine frĂŒher gemachte Erfahrung beim Fallschirmspringen erklĂ€ren durch die Tatsache, dass das Bewusstsein auch unabhĂ€ngig vom Gehirn existiert. Sein Entschluss und der Auftrag, den er aus der geistigen Welt empfing, waren, diese Ănderung der Erkenntnis, wie Gehirn und Bewusstsein zusammenhĂ€ngen, auch im Kreis seiner neurochirurgischen und anderen Kollegen in eine Erneuerung der wissenschaftlichen Diskussion zu bringen.
Ein weiteres ergĂ€nztes Kapitel widmet sich dem Thema »Aktive Sterbehilfe â Beihilfe zum Suizid«. Der Wunsch, Leiden frĂŒhzeitig zu beenden, klammert die Frage aus: »Wie geht das Leben nach dem Tode weiter? Wie sieht es aus? Hat die Art des Todes einen Einfluss auf das nachtodliche Leben? Rudolf Steiner warnte davor, dass der Tod durch Zyankali nicht mit anderen Todesarten vergleichbar sei. Der Tod durch dieses Salz hĂ€tte eine zerstörende Wirkung auf das Ich des Menschen. Den Ărzten gegenĂŒber Ă€uĂerte er, bei jedem Patienten den Willen zu heilen zur Wirksamkeit zu bringen. Jeder Tag des Lebens sei ein wesentlicher Gewinn. Ein Leben, das keinen Sinn hĂ€tte, könne es nicht geben!
Das dritte ergĂ€nzte Kapitel widmet sich der Organtransplantation. NaturgemÀà geht Ursula Hausen als Sterbebegleiterin mehr auf den Prozess der Explantation ein. Sie sieht vor allem das Eingreifen in den Todesaugenblick des Spenders, der sich nicht verstĂ€ndlich machen kann; denn dieser Augenblick betrifft die Christusbegegnung, wie sie z.B. durch George Ritchie geschildert wird. Rudolf Steiner stellt diesen Augenblick als den allerwesentlichsten im ganzen Leben dar, sowohl was das Erdenleben als auch was das nachtodliche Leben betrifft. Von diesem Moment geht die Orientierung fĂŒr den ganzen weiteren Entwicklungsweg aus.
Zu bedauern ist, dass die Transplantatoren nur die Organe im Blick haben, meistens aber die Nahtodforschung auĂer Acht lassen. Ursula Hausens Wunsch wĂ€re deshalb, keinen zur Transplantation zuzulassen, der nicht eine grĂŒndliche Fortbildung ĂŒber Nahtodeserlebnisse absolviert hat.
Es ist ein bedeutendes, aktuelles Buch entstanden, das uns zum Nachdenken anregt und etliche Fragen im Hinblick auf den Tod beantworten kann. AuĂerdem gibt es viele Anregungen fĂŒr den Umgang mit Sterbenden und ihren Angehörigen.
Quelle: Die Drei, Heft 5, 2015