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Andreas Goyert

Anthroposophische Medizin und die Prozesse im Stoffwechselsystem

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Wie sich Stoffwechselprozesse im menschlichen Organismus charakterisieren lassen und welchen Faktoren außer der ErnĂ€hrung dabei eine Rolle zukommt, zeigt Dr. Goyert im vorliegenden Band auf. Die VorgĂ€nge werden dabei in ein ganzheitliches Bild zusammengefĂŒhrt, das den Menschen in seiner Beziehung zur Welt und zum Geistigen darstellt.

von Andreas Goyert

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Funktion des Stoffwechsels

Mehr als drei Jahrzehnte hat der Autor neben seiner TĂ€tigkeit als Internist auch Kurse im Rahmen der Ausbildungen von Ärzten und Heileurythmisten verantwortet. Aus dieser Gemeinschaftsarbeit sind Gewissheit und Sicherheit darĂŒber hervorgegangen, wie wertvoll und bereichernd die anthroposophische Menschenkunde fĂŒr das VerstĂ€ndnis der StoffwechselvorgĂ€nge beim gesunden und auch beim kranken Menschen ist.

Versucht man die Anatomie und die bekannten VorgĂ€nge der Physiologie und Pathophysiologie mit der anthroposophischen Menschenkunde zu durchdringen, so kommt man rasch zu der Erkenntnis, dass die Anthroposophische Medizin keine ErgĂ€nzung der naturwissenschaftlich orientierten Medizin in dem Sinne ist, dass sie geisteswissenschaftliche Erkenntnisse den naturwissenschaftlich gewonnenen hinzufĂŒgt, sondern man bekommt vielmehr ein Bewusstsein davon, dass diese VorgĂ€nge und auch die Anatomie in einem ganz anderen Licht erscheinen, das neue Perspektiven eröffnet und zu neuer und umfassenderer Beurteilung und Interpretation der bisherigen Erkenntnisse fĂŒhrt und im Hinblick auf die Beurteilung von Krankheiten andere Konsequenzen fordert.

(Andreas Goyert)

Inhaltsverzeichnis

Die Anthroposophische Medizin im Strom der Medizingeschichte | Der Magen-Darm-Trakt und die ErnÀhrung | Die TÀtigkeit der vier Wesensglieder im Verdauungstrakt | Die ErnÀhrung | Der weitere Weg der Nahrungssubstanz nach innen | Die Ausscheidung | Das Immunsystem | Anthroposophische Medizin und Heileurythmie


Rezension

 Andreas Goyert ist Gastroenterologe und war von 1993-2009 leitender Internist an der Filderklinik und fasst nun seine reichen Erfahrungen in diesem knapp 300 Seiten umfassenden, klar und verstĂ€ndlich geschriebenen Werk zusammen. Es geht um die Verdauung in unserem Organismus und ihren Zusammenhang mit den höheren Wesensgliedern des Menschen. Der Autor versteht es nicht als Lehrbuch, sondern als Anregung und EinfĂŒhrung in das Denken der anthroposophischen Menschenkunde und Medizin. Mit dem Buch sollen alle im medizinischen Strom TĂ€tigen: Ärzte, Heileurythmisten, Kunsttherapeuten, Pflegende und Psychotherapeuten angesprochen werden.

Einleitend weist der Autor darauf hin, dass die Anthroposophische Medizin, die eigentlich eine zukĂŒnftige, eine Äthermedizin ist, nicht als bloß hinzugefĂŒgte ErgĂ€nzung der naturwissenschaftlich orientierten Medizin zu sehen ist, sondern dass hier Anatomie und Physiologie in einem ganz neuen Licht erscheinen, welches letztlich den Blick auf ein viel umfassenderes Menschenbild freigibt.

Es beginnt mit einem historischen RĂŒckblick ĂŒber die Entwicklung des medizinischen Denkens durch die Kulturepochen. Zur Zeit der urindischen und urpersischen Kultur gab es eine reine Priester-Medizin, bei der die Gedanken noch ganz in der göttlichen Wesenheit bzw. im Ich erlebt wurden. Die mesopotamische Medizin war vornehmlich im Astralischen beheimatet und bezog ihre Einsichten aus den Offenbarungen einer magisch-dĂ€monischen Natur. Der Priester hatte auf seinem Weg zum Kranken ganz auf die umgebenden Naturerscheinungen zu achten, die ihm Auskunft ĂŒber Wesen und Prognose der jeweiligen Erkrankung gaben.

Das medizinische Denken der Griechen orientierte sich hauptsĂ€chlich an der Wirksamkeit der vier Elemente, die Gedanken wurden im Ätherleib erlebt und entsprechend sahen die Heilkundigen nicht das Gewordene, die physischen Endpunkte der Entwicklung, wie das die heutige Medizin tut, sondern der griechische Arzt fasste ganz das Prozessuale, das Werdende ins Auge und hatte dabei eine große Beweglichkeit im Denken, wie es in den Dialogen des Plato zum Ausdruck kommt. Dieser nannte das Ätherische die »Amme allen Werdens«, ĂŒber die die Urbilder des Seins vermittels der vier Elemente abbildhaft zur Erscheinung gebracht werden. Als Vier-SĂ€fte-Lehre reichte das griechische Denken bis in die Neuzeit hinein.

Die letzte Bewusstseinsetappe ist die heutige, die ein ganz auf das gewordene Werk, auf die rein physischen TatbestĂ€nde gerichtetes Denken entwickelt hat und zu den großen Errungenschaften der naturwissenschaftlichen Medizin gefĂŒhrt hat. Die anthroposophische Medizin markiert nun den Beginn des Wiederaufstiegs des medizinischen Denkens durch die Wesensglieder hindurch, was mit einem durch Michael inspirierten freien Willen verbunden ist. Eine zukĂŒnftige Medizin kann nur eine Äthermedizin sein, wenn sie ĂŒber die Detailanalysen hinaus die großen lebendigen ZusammenhĂ€nge wieder ins Blickfeld nimmt.

Im Folgenden wird dem Leser am Beispiel eines Apfels der Weg durch den Verdauungskanal bzw. -prozess gezeigt. Stufenweise wird dieser durch die Elemente zurĂŒckgefĂŒhrt, wobei er im Mund zunĂ€chst seine feste physische Form verliert und dabei dem Ich als Geschmackserlebnis zugefĂŒhrt wird. Der nun zu Mus verarbeitete Apfel erfĂ€hrt im Magen eine weitere VerflĂŒssigung und erste chemische Auflösung (Astralleib). Durch die VerdauungssĂ€fte im oberen DĂŒnndarm wird der Nahrungsbrei schaumig, d.h. das Luftige, das im Magen noch getrennt als Magenblase erscheint, verbindet sich im DĂŒnndarm mit dem Nahrungsbrei und die Stofflichkeit des Apfels wird weiter bis zur Unkenntlichkeit verfeinert – das Geschehen wird vom Ätherleib dominiert. Beim Durchtritt der maximal verfeinerten Substanz durch die große OberflĂ€che der Darmschleimhaut in die BlutwĂ€rme (sprich: bei der Aufnahme der Nahrung in die strömende ÄtherqualitĂ€t des Kreislaufs) ist von der Ă€ußeren Natur des Apfels nichts mehr ĂŒbrig. Der abgetötete Stoff wird im WĂ€rmeprozess neu belebt.

Im Organismus wird die Nahrung nun durch das Nierensystem weiter zu einer beseelten, empfindungsfĂ€higen Substanz umgearbeitet und somit fĂŒr die TĂ€tigkeit des Astralleibes aufgeschlossen. Über das Leber-Galle-System wird der Nahrungsstoff auf die Stufe der geisttragenden Substanz, d.h. in die Gestaltungskraft der Ich-Organisation gehoben. Gleichzeitig werden durch die Ausscheidungsprozesse von Stuhl, Urin und Galle die SeelenkrĂ€fte fĂŒr das Denken, FĂŒhlen und Wollen frei.

Es sind im Verlauf des Textes immer wieder Ă€hnliche, aufeinander aufbauende Grafiken eingefĂŒgt, die sich gleichsam mit dem Verarbeitungsprozess der Nahrung bzw. mit der inhaltlichen Verarbeitung des Themas umformen und weiterentwickeln und so dem didaktischen Aufbau des Buches eine rhythmische Struktur geben. Am Ende des ersten Teils wird gezeigt, wie die gestaltende Kraft der Ich-Organisation in den WĂ€rmeprozessen des rhythmischen Systems die beiden polaren Gestaltungsprinzipien – den mehr zentrifugal wirkenden Substanzstrom aus dem Stoffwechselbereich und die mehr zentripetal abformenden KrĂ€fte aus dem NervenSinnes-Bereich – in einer Art GleichgewichtsChoreografie verbindet. Die ZusammenhĂ€nge werden dabei in einer Art und Weise klar strukturiert und anschaulich dargestellt, dass man den Eindruck bekommt, das Fein-SĂ€uberliche des Gliederns, Separierens und Verarbeitens im Verdauungsprozess werde im didaktischen Modus der Darstellung selbst lebendig.

Es folgt ein Kapitel ĂŒber die Ausscheidungsprozesse, wobei hier nĂ€her auf die Darmflora eingegangen wird. Goyert sieht in den VorgĂ€ngen des Enddarms einen Todesprozess und bezeichnet die hier lebenden Mikroben als Leichname der Ă€ußeren Flora, wobei er auf Rudolf Steiner Bezug nimmt, der davon spricht, dass wir der Darmflora die Gedanken, d.h. die BildekrĂ€fte wegnehmen wĂŒrden. Angesichts der in jĂŒngster Zeit festgestellten, enormen genetischen Vielfalt der Mikroorganismen im Darm, ihrer hohen StoffwechselplastizitĂ€t und nicht zuletzt wegen ihrer vielschichtigen Bedeutung fĂŒr die Physiologie und Gesundheit des Menschen ist es nun die Frage, ob man angesichts dieser vitalen Prozesse von Leichnamen der Ă€ußeren Fauna und Flora beziehungsweise von Todesprozessen sprechen kann. Zweifellos kommt der Darmflora auch eine das Immunsystem heranbildende Bedeutung zu. Könnte es sein, dass der Mensch deshalb ein so kleines Genom von nur etwa 20.000 Genen besitzt – weniger als ein Wasserfloh – weil er ĂŒber seine Darmflora (acht Millionen Gene!) genetisch gewissermaßen mit der ganzen Ă€ußeren Natur verbunden ist und somit das Mikrobiom im Sinne einer verinnerlichten Ur-BiosphĂ€re als Unterlage benutzt, um aus diesen noch nicht ausgeformten BildekrĂ€ften der Mikroorganismen – der Mensch verhindert gewissermaßen ihre Weiterentwicklung zu Pflanzen und Tieren – sein Gedankenleben zu ernĂ€hren? Gehört nicht vielleicht das Mikrobiom zu dem aus der Ă€ußeren Welt stammenden, aufbauenden Substanzstrom, aus dem der obere Nerven-Sinnes-Mensch seine dem Ă€ußeren Äther verwandten Gedanken abformt? Man kann diese Fragen getrost offenlassen und darf auf die weiteren Erkenntnisse der Mikrobiomforschung gespannt sein. (Ein sehr anregender Austausch zu dieser Thematik fand im Rahmen der Mikrobiologentagung am 9. und 10. Oktober 2015 in Dornach statt).

Auch das Kapitel ĂŒber das Immunsystem ist von einer seltenen didaktischen Klarheit. Über 35 Seiten wird hier ein kompliziertes Thema komprimiert und anschaulich so dargestellt, dass man es jedem Medizinstudenten als Grundlage nur wĂŒnschen kann. Vor allem die enge funktionelle Verflechtung von Nerven- und Immunsystem, die ja fĂŒr jedes VerstĂ€ndnis von psychosomatischen und auch pĂ€dagogischen ZusammenhĂ€ngen so entscheidend ist, wird hier sehr prĂ€gnant und einleuchtend prĂ€sentiert.

Der letzte Teil des Buches handelt von der Heileurhythmie. Da der Autor durchgehend immer wieder auf die höheren Wesensglieder und ihre TĂ€tigkeiten aus verschiedenen Perspektiven Bezug nimmt, kann auch der in diesen Dingen noch unerfahrene Leser die Sinnhaftigkeit und Notwendigkeit einer zukĂŒnftigen Äthermedizin erkennen, deren Amme sozusagen die Heileurhythmie ist. Durch diese Form der Heilkunst erlangen wir erstmals einen willentlich bewussten Zugriff auf unseren Ätherleib, der letztlich die Quelle ist, aus der alle Gesundheit und Lebenskraft sich speist.

Wer sich also einen grĂŒndlichen Einblick in das Wesen von ErnĂ€hrung, Verdauung und Immunologie in Verbindung mit der TĂ€tigkeit der höheren Wesensglieder verschaffen will, dem sei diese höchst nahrhafte und bekömmliche, wissenschaftliche Vollwertkost empfohlen. Wer richtig innerlich mitgeht bei diesem Buch und sich in die wirklich ganz aus der Sache heraus gestaltete Darstellungsform und in die Denkbewegungen des Autors hineinfĂŒhlt, der kann bemerken, dass schon im Lesen dieses Buchs eine gewisse therapeutische Wirksamkeit liegt.

Quelle: Die Drei, Heft 2, 2016

Erscheinungsdatum: 10.06.2015
Auflage: 1.
Seiten: 200
Einbandart: gebunden, mit Schutzumschlag
ISBN: 978-3-7725-2639-8


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