Jacques Lusseyran erzÀhlt:
«Georges Saint-Bonnet war kein auĂergewöhnlicher Mensch, keine mĂ€chtige Persönlichkeit. Oder vielmehr, _x0084_das_x0093_ war er natĂŒrlich auch und sogar in einem MaĂe, das solche Worte klein und linkisch wirken lieĂ, sobald man sie auf ihn anwandte. Dass er kein Mensch wie alle ĂŒbrigen war, zĂ€hlte indes nur wenig. TatsĂ€chlich war er etwas ganz anderes: ein Eingeweihter. (_x0085_)
In meinem intimsten Innern hatte ich Rudolf Steiner als Meister anerkannt. Ich war jedoch zu schwach, oder aber zu anspruchsvoll (darĂŒber mĂŒssen andere entscheiden), um mich mit dieser indirekten PrĂ€senz begnĂŒgen zu können. Die Stunde eines lebenden Meisters war gekommen.
WĂŒrde Georges Saint-Bonnet dieser Meister sein? Seit meinen ersten Begegnungen mit ihm stellte ich mir unaufhörlich diese Frage. Ja, er wĂŒrde es sein, wenn er ein Meister war, wenn sich meine erste Eingebung bestĂ€tigte. Und eben das konnte ich noch nicht voraussehen. Und er wĂŒrde es sein, sofern seine Lehre derjenigen Rudolf Steiners nicht widersprechen wĂŒrde.
Daher die ErschĂŒtterung, der schwierige Schock, als diese intime Nachricht meinen Geist traf: Georges Saint-Bonnet ist ein Eingeweihter. (_x0085_)
Die ersten fĂŒnfundvierzig Jahre seines Lebens gehörten dem Abenteuer der Welt. Mit sechzehn Jahren verliert er seinen Vater und wird gegen Ende des Ersten Weltkriegs als Freiwilliger angeworben. Sehr schwer verletzt, verliert er teilweise _x0096_ aber endgĂŒltig _x0096_ den Gebrauch eines seiner Handgelenke. Dieser Unfall zerstört eine vielversprechende Musikerkarriere als Geiger.
Bis 1947 ist Saint-Bonnet ein sehr talentierter und vor allem vielseitig talentierter Mensch, aber er ist kein _x0084_Meister_x0093_. Er ist ein mit einem sehr lebhaften Einfallsreichtum begabter GeschĂ€ftsmann, ein brillanter Journalist, ein unerschöpflicher Publizist. Er kann politische Satiren, historische Romane und mehr als fĂŒnfzig Kriminalromane fĂŒr sich verbuchen. FĂŒr Letztere schafft er eine Figur: Inspektor Vasseur. Wenngleich weniger berĂŒhmt als Georges Simenons Maigret, ist er nichtsdestoweniger zu einem der Vorbilder der Gattung geworden. Ich habe etwa fĂŒnfzehn dieser BĂŒcher gelesen und dabei Bekanntschaft mit nicht alltĂ€glichen literarischen FĂ€higkeiten gemacht: einer echten Kunst der Beschreibung und ErzĂ€hlung, noch mehr jedoch eine ungewöhnliche Ausgewogenheit zwischen Humor und gesundem Menschenverstand.
All das verweist auf eine hektische Karriere, eine hĂ€ufig bewegende Existenz. All das vermittelt Georges Saint-Bonnet eine lĂŒckenlose Lebenserfahrung. Doch hat der Geist noch nicht geweht oder, sollte er es dennoch getan haben, dann im Geheimen. Ansonsten hat er spĂ€ter in meinem Beisein auf keine einzige vor 1947 vollbrachte spirituelle Leistung hingewiesen.
Unmittelbar nach dem Krieg zieht er sich aus dem öffentlichen Leben zurĂŒck. Es geschieht etappenweise, reibungslos. _x0084_FĂ€higkeiten, KrĂ€fte_x0093_ haben sich bei ihm gezeigt. Vor allem die FĂ€higkeit zu heilen, aber auch diejenige, in den Gedanken anderer Menschen zu lesen, diejenige, schweigend zu anderen zu sprechen und von ihnen gehört zu werden, schlieĂlich diejenige, in bewusste Kommunikation mit den subtilen Ebenen des Universums zu treten. Im Ăbrigen ist es fĂŒr immer unmöglich _x0096_ dies muss hier gesagt werden _x0096_, die FĂ€higkeiten aufzuzĂ€hlen, die Saint-Bonnet verliehen worden sind, da er sie zwar ausĂŒbte, aber nicht von ihnen sprach. Wie es scheint, hat er um 1948 seine geistige Reife erlangt_x0085_ »