Himmelsstriche
Vom Leben der Vögel und Ăberleben der Menschen
Der englische Nordosten ist eine Landschaft, an der sich die systemische VerĂ€nderung der BiosphĂ€re durch 250 Jahre technischer und sozialer Revolutionen ablesen lĂ€sst: Hier wurden bis vor kurzem die reichsten Kohlevorkommen GroĂbritanniens abgebaut, hier lagen um 1900 die gröĂten Werften der Welt, hier verĂ€ndern immer noch riesige Chemieagglomerate den Stoffwechsel der Erde. UmsĂ€umt von der geheimnisvollen NordseekĂŒste im Osten und dĂŒsteren Heidegebirgen im Westen ist dieses englisch-schottische Grenzland, um das schon römische Truppen, irische Missionare, Wikinger, berĂŒchtigte GrenzrĂ€uberbanden gekĂ€mpft haben, auch ein wichtiges Brutgebiet fĂŒr zahlreiche Vogelarten. Die »Himmelsstriche« der Seevögel â so bezeichnet Bernhard Malkmus sowohl die Gegenden, in denen diese FlugkĂŒnstler zuhause sind, als auch die Kalligrafien, die sie in die LĂŒfte zeichnen. Doch seit einiger Zeit wĂŒtet in diesem Vogelparadies das Grippevirus, das in der industriellen Tierhaltung hochgezĂŒchtet und von Zugvögeln auf der ganzen Welt verbreitet wurde. Als Malkmus auf seinen StreifzĂŒgen immer mehr Kadaver findet, beginnt er, den Tieren ein literarisches Denkmal zu setzen.
Himmelsstriche ist die reizvolle Verbindung von Reisetagebuch und Essay, in der Natur- und Kulturgeschichte verwoben werden: Ein Gesang auf das Meer, eine Hymne auf die Anmut und Widerstandskraft der Seevögel, eine Meditation ĂŒber Heimat und Migration, eine Suche nach Worten der Trauer angesichts der Artenausrottung um uns.
von Bernhard Malkmus
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