Zwischen Sinneshöhen und Geistestiefen
Besprechung zum Druck des âAnthroposophischen Seelenkalender â Das Jahr als Ur-Bild menschlicher SeelentĂ€tigkeitâ in âDas Goetheanumâ Heft 6, Februar 2020
Karlheinz Flau setzt den anthroposophischen Seelenkalender ins Bild. WÀhrend im eigentlichen Seelenkalender jeweils eine Woche im Auge ist, ermöglicht Flau den Blick auf das ganze Jahr. Das hilft, den Zusammenhang zu fassen.
Die SprĂŒche des Seelenkalenders setzen den Ă€uĂeren Jahreslauf zum Seelenleben des Menschen in Beziehung. Jede einzelne Woche hat ihren seelischen Schwerpunkt. «In der wahren Selbsterkenntnis» erschafft das Ich sich selbst.
Karlheinz Flau hat die 52 WochensprĂŒche von Rudolf Steiner in einen grafischen Ăberblick gestellt und versucht, mit diesem âčWandschmuck-Druckâș den ganzen Zauber der GesetzmĂ€Ăigkeiten des Kalenders zu erfassen. Er zeigt uns tĂ€glich, an welchem âčOrtâș wir uns im Ganzen des Jahreslaufes befinden.
Auf dem Hexagramm, der Durchdringung der beiden Dreiecke, die auf die PolaritĂ€t von Sommer und Winter weisen, liegen auĂerdem die âčSchwellensprĂŒcheâș, die jeweils in Gelb und Blau in eine neue Jahreszeit gleiten. Dazwischen kreuzen sich die beiden Doppelbögen des FrĂŒhlings in GrĂŒn und des Herbstes in Rot in der Mitte und markieren Anfang und Ende der 52 SprĂŒche. Sie schwingen von innen nach auĂen und von auĂen nach innen. Dann ist der Sonnenkreis mit den vier âčLichtsprĂŒchenâș eingezeichnet, um die jeweilige Beziehung von âčim Lichteâș und âčdem Lichtâș zu zeigen. Einer Angabe Rudolf Steiners folgend, dass jeweils immer drei SprĂŒche zusammengehören, sind sie hier mit einer Klammer â auĂen und innen â versehen.
Der Tierkreis als Ă€uĂere Zusammenfassung von Stern, Lemniskate und Kreis ist nach dem âčUrkreuzâș Widder â Waage, Steinbock â Krebs angeordnet. So wird das Jahr als das Urbild menschlicher SeelentĂ€tigkeit im Ausströmen in die Sinneshöhen und im Umwenden in die Geistestiefen als Weg der Seele von innen nach auĂen, von auĂen nach innen â vom Naturerkennen zur Selbsterkenntnis - geleitet.
Die Lemniskate zeigt uns zweimal 13 SprĂŒche auf der SommerhĂ€lfte und zweimal 13 SprĂŒche auf der WinterhĂ€lfte. Wenn wir die Bewegung der Lemniskate innerlich verfolgen, erleben wir das sphĂ€rische Aus-sich-Herausgehen und das zentrische In-sich-Hineingehen. «Was die groĂe Welt im Zeitenlaufe offenbart, entspricht einem Pendelschlag des Menschenwesens, der nicht im Element der Zeit ablĂ€uft. Es kann vielmehr der Mensch fĂŒhlen sein an die Sinne und ihre Wahrnehmungen hingegebenes Wesen, als entsprechend der licht und wĂ€rmedurchwobenen Sommernatur. Das GegrĂŒndetsein in sich selber und das Leben in der eigenen Gedanken und Willenswelt kann er empfinden als Winterdasein.
So wird bei ihm zum Rhythmus von AuĂen- und Innenleben, was in der Natur in der Zeiten Wechselfolge als Sommer und Winter sich darstellt.
âWir erleben wahrnehmend unser eigenes Wesen im Sommer ausgeatmet und denkend-wollend eingeatmet im Wintertag.â
(Rudolf Steiner, 1. Ausgabe des Kalenders)