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Karl Ballmer

Abschied vom "Leib-Seele-Problem"

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"Wer sind wir, wir sogenannten Anthroposophen
? Ein nĂ€chstliegendes Mittel, um zu Vorstellungen ĂŒber unser Wer zu kommen, bestĂŒnde darin, dass wir echtes Interesse aufbringen fĂŒr denkerische Bestrebungen dieser Zeit, die 'ebenfalls' den Menschen als ein Geistwesen reklamieren. Je sorgfĂ€ltiger wir auf solche Ebenfalls-BemĂŒhungen eingehen, desto sicherer werden wir uns des Abgrundes bewusst werden, der uns von mancherlei wohlmeinenden Aspirationen trennt."

von Karl Ballmer

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Damit hĂ€tten wir unser 'Wer' zunĂ€chst in dem Bewusstsein dessen, was uns von Anderem unterscheidet. – Die Welt hat ein gewisses Recht, von den Anthroposophen zu erwarten, dass diese sichtbar werden lassen, wer sie sind. Wir sollten allmĂ€hlich dazu kommen, uns und der Welt zu beweisen, dass wir ĂŒberhaupt sind, nĂ€mlich dass wir fĂ€hig sind, in klaren Gedanken StellungsbezĂŒge zu vollziehen." Das "Andere", das Ballmer in diesem Aufsatz aus dem Jahr 1956 wĂ€hlt, ist die von Heidegger inspirierte Anthropologie, Psychosomatik und Daseinsanalyse. Die "liebende Teilnahme", mit der er sich diesen "BemĂŒhungen" gegenĂŒberstellt, enthebt ihn nicht der Notwendigkeit, den Mythos der Zusammengesetztheit des Menschen aus Leib und Seele einschließlich eines "VerhĂ€ltnisses" zwischen beiden fĂŒr "grobe Torheit" zu halten, mit der "der"Kirchenvater Aristoteles das Abendland gesegnet hat". "Wir befinden uns im Zeitalter der Naturwissenschaft. Diese Naturwissenschaft, wenn sie redlich und konsequent ist, kann unmöglich das Andenken an ihren Stifter, an Galilei, krĂ€nken wollen, indem sie gedankenlos die 'Leib-Seele'-Mythologie konserviert. Die Korrektur, die Galilei an der Ansicht des Aristoteles ĂŒber die Bewegungen der Körperdinge vornahm, muss sich in unserer Korrektur der Ansicht des Aristoteles ĂŒber die 'Leib-Seele'-Komposition der Menschenleute wiederholen. Aristoteles hatte geglaubt, die Dinge bewegten sich nach dem Gesetze des ihnen einwohnenden eigenen Wesens, die leichten strebten ihrem Wesen gemĂ€ĂŸ nach oben, die schweren wesensgemĂ€ĂŸ nach unten. Galilei bewies, dass das Reden des Aristoteles vom 'Wesen' der Dinge pure Flunkerei war. Die Dinge bewegen sich nach Welt-Gesetzen, und nicht nach eingeborenen eigenen angeblichen 'Wesens'-Gesetzen. Ebenso kann es die Seele von Meier und Huber nur als Welt-Gesetz geben
" Die zweite Auflage (1997) ist durch thematisch dazugehörige Texte aus dem Nachlass ergĂ€nzt.

Herausgegeben von Wyssling, Peter; Herausgegeben von Cuno, Martin
Erscheinungsdatum: 1997
Auflage: 2., Aufl.
Seiten: 95
Format: 20,0 x 13,5 cm
Einbandart: Kartoniert
ISBN: 9783930964215


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